Archive for : Dezember, 2015

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T-Tops – Ein Überblick

Diesen sehr interessanten und sehr informativen Artikel habe ich im us-car-forum.net gefunden. Der Autor (chief tin cloud) hat der Veröffentlichung hier zugestimmt.

Die Hurst Corporation in Pasadena CA griff diese Idee in der zweiten Hälfte der 1960er auf – wahrscheinlich inspiriert von Porsche, wo man mit dem 911 Targa einen ähnlichen Weg beschritten hatte. Jedenfalls bot Hurst das System zum nachträglichen Einbau an, ähnlich wie es später mit den berüchtigten Glasdächern gemacht wurde, die ebenfalls Tausende Sedans und Coupés in siffende und rostende Sanierungs- und Abbruchobjekte verwandelten. Dazu kam, dass sich Hersteller und ausführende Karosseriespengler kaum mit solchen Nebensächlichkeiten wie der Statik beschäftigten. Und der begeisterte DIY-Bastler mit und ohne Talent erst recht nicht. Auch dies eine Parallele von Sun Roof und T-Top und hinlänglicher Beweis dafür, dass sich technischer Fortschritt und menschliche Vernunft nicht gleichmässig entwickeln…

1969 Chevrolet Corvette C3 Coupe T-top amcarguide

Nachdem genügend Kunden unfreiwillige Entwicklungsarbeit geleistet hatten, begann Hurst jedenfalls damit, T-Tops der Automobilindustrie direkt anzubieten. GM ging darauf ein und setzte sie erstmals 1968 in der Corvette in Serie um – was prompt zu einer Patentklage von Buehrig führte. Den Prozess gewann er, allerdings mit einer eher bescheidenen Abfindung. In diesen Jahren gab es nicht viele, die von sich behaupten konnten, einen Prozess gegen einen führenden Autobauer gewonnen zu haben.


1975 Hurst/Olds HurstOlds.com

Offensichtlich konnten die juristischen Probleme bereinigt werden, denn Hurst und andere begannen bald darauf, T-Tops in großem Umfang anzubieten. Begünstigt wurde diese Entwicklung von einer befürchteten Änderung der US-Gesetzgebung. Verschärfte Sicherheitsvorschriften, so wurde erwartet, würden zu einem Verbot von Cabriolets führen. Diese Angst auch der Grund, warum das amerikanische Cabrio in den 1970ern schleichend ausstarb, bis es nach 1977 (der Produktionseinstellung des letzten Eldorado Convertible) zeitweilig nur noch die Corvette und Nischenanbieter mit Ragtops gab. Wahrscheinlich ist es Ronald Reagan und seinem Wahlversprechen an die Autolobby, für weniger staatliche Aufsicht zu sorgen, zu verdanken, dass es nicht zum Verbot kam.



1976 Pontiac S/E TransAm

Inzwischen begann die Industrie, die Käufer an das T-Top zu gewöhnen. 1975 erschien der Oldsmobile (Cutlass) Hurst/Olds mit T-Tops. Das Konzept erwies sich als überaus erfolgreich und neue Anbieter etablierten sich. Aber auch die Autobauer selber begannen damit, eigene Systeme zu entwickeln (etwa das Fisher-Top). Damit mussten sie keine mehr zukaufen und strichen die Gewinne selber ein. Doch auch Hurst selber war nicht ganz unschuldig an dieser Entwicklung.



1976 Pontiac Grand Prix LJ Golden Anniversary Edition

1976 orderte Pontiac Hurst-Dächer für seine Anniversary-Editionen des Trans Am und Grand Prix. Hier war von Anfang an der Wurm drin und die Nachfrage nach den beiden überstieg stets die Liefermöglichkeiten. Das Problem war einfach zu lokalisieren: Qualitätsmängel. Die verminderte Stabilität der Struktur wurde bereits angesprochen (Euer Adventskalenderfredredaktor kann sich gut erinnern an so manches Knackgeräusch aus dem Dachbereich); das wäre an sich schlimm genug. Es führte zwangsläufig auch zu Dichtigkeitsproblemen, zumal Hurst zunächst unzureichende Dichtungen verwendete. Für Pontiac führte das zu einem Imageschaden und einem wahren Alptraum an Garantieansprüchen.


Die Fertigungsmethoden bei Hurst waren übrigens speziell: Fertige Autos wurden angeliefert und von der Nachtschicht buchstäblich mit dem Nibbler zurechtgeschnitten. Die Tagschicht besorgte den Feinschliff, lackierte und setzte dann die Dichtungen ein. Ohne jede Verstärkung am Dach…



Hurst Hatch, 1. Version, für GM F-body

Das ist der Grund, warum es zwei Versionen des Hurst Hatch gibt: Die zweite sollte die Schwächen der ersten ausbügeln. Wer ein Hurst Hatch verbaut hat, tut gut daran, sich zu informieren, welches er hat.





Nur echt mit dieser Gravur.; r
ar: Hurst Hatch Schutzhülle

Das zweite soll angeblich nicht soooo viel besser sein als das erste – und theoretisch kann es auch nachgerüstet sein. Dann ist sowieso alles möglich…

Das ging gut für Hurst bis 1978, als GM seine eigenen Fisher-Dächer bereit hatte und auf die zugekauften Probleme verzichten konnte. Hurst verkaufte noch etliche im Aftermarket. Euren Adventskalenderredaktor (der welche der Gen 1 hat) täte interessieren, ob die Fisher-Tops besser waren.





Fisher-Tops



1977 Pontiac S/E TransAm


Cars and Concepts

Auch Cars and Concepts (C&C) verkaufte im Aftermarket. Zielpublikum waren Käufer von Wagen, die nicht ab Werk mit T-Tops erhältlich waren.

Diese Tops verliefen über das ganze Dach. Am geschlossenen Auto wirkten sie eleganter, am offenen störte der Rahmen die Optik.







American Hatch

American Hatch, auch bekannt als American T-Top, hatte seinen Sitz in Dallas TX. Der wohlam wenigsten bekannte Hersteller solcher Dächer verfolgte ein ähnliches Konzept wie C&C.

Ein werkseitig angebotenes T-Top dürfte sich wertsteigend auswirken. Bei Aftermarket Tops ist sich Euer Adventskalenderfredredaktor nicht so sicher. Originalitäti st dabei nicht einmal das Problem; zeittypisches Zubehör ist idR – und zu Recht anerkannt. Was aber, wenn es schlecht gewartet oder unvollständig ist? Dann hilft nur noch improvisieren.

Gummidichtungen sind teilweise erhältlich für Hurst- und Fisher-Tops. So der so: Fahren mit entfernten T-Tops ist ein ganz besonderes Vergnügen. So lange man nicht auf der Rückbank sitzt…

Nur original mit Hurst Hatch: 1976 Pontiac Grand Prix LJ Golden Anniversary Edition




Sehr selten,aber mit American Hatch Nachrüstung: 1977 Pontiac CanAm

Quellen:
Pontiacs Online / Joe Bays
GM
Ar-Chief