Kipphebel3

Hydrolifter

In diesem kleinen Ratgeber gebe ich einige Tips, wie man die Hydrostößel am Chevrolet Small Block einstellt. (Durchführung der Arbeiten auf eigenes Risiko, alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit). Diese Arbeit kann von Zeit zu Zeit notwendig werden, wenn die selbstsichernden Muttern, die die Kipphebel halten, nicht mehr ganz so selbstsichernd sind, wie sie es sein sollten. Das kann sich unter anderem durch „klappernde Ventile“ äußern.

Sollte dies der Fall sein, ist es höchste Zeit die Muttern zu erneuern, die gibt es bei den einschlägigen Ersatzteil- und Zubehörhändlern.

Dabei ist einerseits auf die Gewindegröße (3/8″ oder 7/16″) zu achten und dann auf die Ausführung der Kipphebelmutter, denn die gibt es einerseits als herkömmliche selbstsichernde Mutter (links auf dem Bild) aber mit langen Hohlmuttern die mit kleinen Madenschrauben auf dem Bolzen gekontert werden (rechts auf dem Bild).

Equipment

Zum Einstellen der Hydrostößel sollte man folgendes Werkzeug parat haben:

  • Ratsche
  • Verlängerung, lang oder kurz (wobei die lange Verlängerung gerade aus Platzgründen im Motorraum oft ausscheidet)
  • ein passenden Steckschlüsseleinsatz in der Schlüsselweite der selbstsichernden Mutter, oder
  • einen passenden, am besten gekröpften, Ringschlüssel

Desweiteren benötigt man Werkzeug um den Motor am Schwingungsdämpfer zu drehen, denn das Einstellen mit der statischen Methode erfolgt in zwei Kurbelwellenpositionen:

  • in der Position Zünd-bzw. Verdichtungs-OT des ersten Zylinders, und
  • in der Position Zünd-bzw. Verdichtungs-OT des sechsten Zylinders

Wie man diese Positionen ermitteln kann, wird im nächsten Punkt erklärt.

Vorarbeiten

Dazu ist es als Grundvorraussetzung wichtig, dass man zu Beginn der Arbeiten den Motor von Hand in den oberen Totpunkt (OT) zum Zündzeitpunkt des 1. Zylinders dreht. Der sog. Zünd-OT kann behelfsmässig mit drei Methoden gefunden werden:

1. Methode bei eingebautem Verteiler
  • Motor von Hand drehen bis die Markierung auf dem Schwingungsdämpfer die Markierung auf dem Zackenblech „0“ oder „TDC“ (Top Dead Center) erreicht.
  • Verteilerkappe lösen und abnehmen, kontollieren ob der Kontakt des Verteilerläufers ungefähr unterhalbe des Kontaktes für den 1. Zylinder an der Verteilerkappe steht. Sollte das nicht der Fall sein, noch einmal langsam eine Kurbelwellenumdrehung weiterdrehen bis die Markierung auf dem Schwingungsdämpfer die Markierung auf dem Zackenblech „0“ oder „TDC“ erreicht.
  • Der Motor steht jetzt grob im OT des ersten Zylinder

Beispiel der Markierungen:

 

2.  Methode über das Zündkerzenloch(am besten mit zweiter Person durchführen)
  • Zündkerze des ersten Zylinders herausdrehen
  • Motor von Hand drehen, dabei den Schwingungsdämpfer bobachten
  • zeitgleich Daumen auf die Zündkerzenbohrung pressen
  • nähert sich die Markierung auf dem Schwingungsdämpfer der Kurbelwelle und es baut sich am Daumen auf der Zündkerzenbohrung merklich Druck auf ist das der Verdichtungstakt des ersten Zylinders; wird kein Druck aufgebaut noch einmal langsam eine Kurbelwellenumdrehung weiterdrehen bis die Markierung auf dem Schwingungsdämpfer die Markierung auf dem Zackenblech „0“ oder „TDC“ erreicht.
  • Der Motor steht jetzt grob im OT des ersten Zylinders
3. Methode  über die Ventilüberschneidung
  • Motor von langsam von Hand drehen, dabei den Kipphebel des  Auslaßventil vom ersten Zylinder beobachten
  • Schließt sich das Ventil (erkennbar durch das Heben des Kipphebels) langsam weiterdrehen, dabei den Kipphebel des Einlassventiles vom 1. Zylinder beobachten; dieser Kipphebel bewegt sich jetzt nach unten
  • solange weiterdrehen bis die Markierung auf dem Schwingungsdämpfer die Markierung auf dem Zackenblech „0“ oder „TDC“ erreicht.
  • Der Motor steht jetzt grob im OT des ersten Zylinders

Zylindernummerierung und Ventilanordnung Chevrolet Small Block bis 1992:

Einstellung

Wie bei der „Suche“ des Zünd-OT gibt es hier auch nicht nur eine Möglichkeit:

  • statische Einstellung; die ich favorisiere und die beim Austausch der Hydrostößel zwingend durchführt werden sollte
  • dynamische Einstellung; bei laufendem Motor, eignet sich um tickernde Hydrostößel nachzustellen

Statische Einstellung

Bei der statischen Einstellung geht man wie folgt vor:

  • Beginn am 1. Zylinder, da der ja nach den obigen Einstellungen in der richtigen Position steht
  • Kipphebelmutter lösen bis der Kipphebel auf dem Ventilschaft deutlich fühlbares Spiel aufweist
  • danach die Kipphebelmutter langsam mit Gefühl festziehen, dabei die Stößelstange zwischen den Fingerspitzen drehen (siehe Bild)
  • sobald sich der Drehwiderstand auch nur leicht erhöht, gibt man eine 3/4-Umdrehung zu, wer sich da nicht ganz sicher ist, sollte erst nur eine 1/2-Umdrehung zugeben ==> 1. Zylinder fertig (in den Manuals steht ein ganze Umdrehung; GM gibt in der Anleitung zu den Gen I Crate Motoren nur 1/4 an).


Drehen der Stößelstange

  •  das wiederholt man dann an den Kipphebeln der Zylinder, die in der Skizze für den Zünd-OT des 1.Zylinders farbig in grün markiert sind
  • danach den Motor eine Umdrehung an der Kurbelwelle weiterdrehen; dann hat man den Zünd-OT des 6.Zylinder und kann die Kipphebel einstellen, die in der Skizze orange markiert sind

  • nachdem man an allen Kipphebeln die Einstellung vorgenommen hat, dreht man den Motor wiederum um eine ganze Umdrehung, so dass der dann wieder auf dem Zünd-OT des 1. Zylinders steht. Das ist vor allem dann wichtig wenn der Verteiler ausgebaut wurde, denn auch mir ist es tatsächlich schon mal passiert, dass ich ohne erneutes Drehen den Verteiler eingesetzt habe und der Motor partout nicht laufen wollte ==> Verteiler um 180° verdreht eingebaut, dann springt der Motor nicht an und schlägt ggf. in den Ansaugbereich zurück

Dynamische Einstellung

Für die dynamische Einstellung müssen folgende Vorkehrungen getroffen werden (Werkzeug wie oben):

  • Motor betriebswarm
  • Ventildeckel (zumndest der betreffenden Zylinderreihe) demontiert
  • Spritzschutz montiert (aufgeschnittene Ventildeckel mit Zugang zu den Kipphebelmuttern oder kleine Spritzschutzbleche aus dem Zubehör die auf die Kipphebel geklemmt werden)

Dann kann es losgehen:

  • Motor im Leerlauf laufen lassen
  • Kipphebelmutter losdrehen bis sich Spiel einstellt, sprich er laicht anfängt zu klappern
  • die Kipphebelmutter langsam festziehen bis das Spiel ausgeglichen ist, sprich kein Klappern oder Tickern mehr zu hören ist
  • danach eine 3/4-Umdrehung zugeben wer sich nicht ganz sicher ist, der sollte zuerst nur eine 1/2-Umdrehung zugeben
  • diese Einstellung an allen Kipphebeln vornehmen ==> fertig 🙂

Sollte sich wider Erwarten kurz darauf wieder ein Klappern/Tickern bemerkbar machen kann man folgendes versuchen:

  • wie oben Kipphebelmutter lösen und wieder festziehen bis das Spiel weg ist
  • jetzt langsam nur eine 1/4-Umdrehung hinzugeben und 10 Sekunden warten (das langsame Zudrehen ist wichtig; hat mit dem inneren Aufbau des Hydrostößels zu tun)
  • danach noch zweimal langsam eine 1/4-Umdrehung zugeben, zwischen den beiden 1/4-Umdrehungen jeweils wieder ca. 10 Sekunden warten.

Bekommt man das Klappern/Tickern damit auch nicht beseitigt, sind neue Hydrostößel fällig.
Achtung: Wenn man die Hydrostößel (flat tappet; also flach ohne Rollen) erneuert ist es ratsam erstens sich Einlaufpaste bzw. sog. assembly lube zu besorgen und damit die Stößel sowie die Nocken der Nockenwelle gut einzuschmieren, dazu ist das „running-in procedure“ (direkt nach dem Start des Motors von Hand auf 2000 U/min gehen, über einen Zeitraum von gut 20 – 30 Minuten wechselnd Drehzahlen von 2000 – 3000 U/min regeln) einzuhalten, da sonst die neuen Hydrostößel die Nockenwelle soweit beschädigen können dass die Nocken rund laufen. Das hat einen enormen Leistungsverlust zur Folge und beschädigt sowohl Nockenwelle und ggf. die neuen Hydrostößel irreparabel.

Video

Video zum Thema von Boxwrench.net

 

Last Remarks

In den Manuals steht, wie oben schon erwähnt, dass ein ganze Umdrehung zugegeben wird. Mir persönlich ist das zu stramm und ich gebe nur eine 3/4-Umdrehung zu. Damit habe ich bislang bei intakten oder neuen Hydrostößeln keine schlechte Erfahrungen machen müssen. Alle Motoren die ich damit eingestellt habe laufen schon mehrere tausend Kilometer ohne dass ich ein Hydrostößel „gemeldet“ hat.

Wer sich „gute Kipphebel“ kauft, der sollte nicht am falschen Ende sparen und sich auf jeden Fall sog. rocker arm stud girdles leisten, zusammen mit hohen Ventildeckeln (sonst pass das alles nicht drunter). Die rocker arm stud girdles sind Klemmleisten, die die langen Hohlmuttern halten, die sich trotz der Madenschraube schon mal gern lösen. Wer dort spart riskiert u.U. ernsthafte Schäden am Ventiltrieb und auch am Motor, denn dann kann sowas wie hier am Motor einer 1970er Nova die Folge sein:

Es hatten sich mehrere Kipphebel gelöst, der Auslasskipphebel des hier abgebildeten 2. Zylinder hatte sich gelöst, die Holhlmutter und die Madenschraube lagen noch oben im Zylinderkopf und es waren 2 Stößelstangen krumm. Hier ist es noch glimpflich abgegangen.

Viel Erfolg 😉

 

1 comment